Zeitverträge in der Wissenschaft

Der Fall

Ein Soziologe wollte nach erfolgreicher Promotion seine Habilitation bis zum Jahresende 2013 beenden und wurde daf√ľr von der Universit√§t befristet eingestellt. Die l√§ngstm√∂gliche Befristung des Vertrages wurde ausgenutzt und der Soziologe bis zum 31.12.2013 eingestellt. Innerhalb dieser Zeit habilitierte der Soziologe und versuchte eine Professorenstelle zu bekommen. Dies misslang jedoch. Eine Anschlussbesch√§ftigung an einer Universit√§t oder Fachhochschule erhielt der Soziologe mit Hinweis auf das Gesetz √ľber die Zeitvertr√§ge nicht. Vom befreundeten Anwalt erfuhr der Soziologe, dass der Gesetzgeber die auf die Qualifizierungsphase anrechenbaren Zeiten nicht genau definiert habe und eine Lebenszeitstelle winke, wenn das genau definierte zeitliche Limit f√ľr die Kettenarbeitsvertr√§ge von der Hochschulverwaltung √ľbersehen und √ľberschritten wurde. Die rechtliche √úberpr√ľfung ergab, dass der Soziologe bereits fr√ľhzeitig auf einer 1/4 Stelle mit 10 Stunden in der Woche als Hilfskraft am Lehrstuhl gearbeitet hatte und diese Zeit auf das zeitliche Limit f√ľr die Kettenarbeitsvertr√§ge anzurechnen ist. Der Soziologe klagte auf eine Lebenszeitstelle.

Die Entscheidung

Das Arbeitsgericht best√§tigte dem Soziologen, dass die Hochschulverwaltung rechtswidrig √ľber die maximal zul√§ssige Befristungszeit hinaus den Arbeitsvertrag befristet hat und sprach dem Soziologen eine Daueranstellung an der Universit√§t zu.

Fazit

Wer eine Lebenszeitstelle an der Hochschule erreichen will, sollte rechtlich klären lassen, welche Arbeitsbedingungen auf die 12-jährige Qualifikationsphase angerechnet werden. Es wäre ein Fehler, wenn die wissenschaftliche Hilfskraft eine Beschäftigung mit 9 Stunden in der Woche unter dem Deckmantel eines Werkvertrages akzeptiert oder der wissenschaftliche Mitarbeiter sich auf die Stelle eines Lehrbeauftragen einstellen lässt.

von Rechtsanwalt Thomas Stein, Jucknischke & Stein, Jena