Schadensersatz trotz mangelfrei geplantem Geb├Ąude

Sachverhalt/Problem

Der Auftraggeber (Bauherr) wollte ein eingeschossiges Einfamilienhaus errichten. Dazu beauftragte er einen Architekten hinsichtlich der Planungsleistungen. Der Architekt teilte dem Auftraggeber mit, dass im Baugebiet nur zweigeschossige H├Ąuser zul├Ąssig seien. Wie sich sp├Ąter herausstellte, war diese Information des Architekten falsch.
Noch bevor der Auftraggeber davon Kenntnis erlang, stimmte dieser notgedrungen, auf Grund der falschen Information des Architekten, dem Bau eines zweist├Âckigen Einfamilienhauses zu. Nachdem das Haus bis zum Dachstuhl errichtet war, wurde der Bauherr davon in Kenntnis gesetzt, dass auch ein, wie urspr├╝nglich geplant, einst├Âckiges Haus genehmigungsf├Ąhig gewesen w├Ąre.

Der Bauherr lie├č das Haus kurzerhand abrei├čen. Des Weiteren verlangte dieser vom Architekten Schadensersatz f├╝r die bis dato aufgewandten Baukosten.

Der beklagte Architekt wies darauf hin, dass das Haus als solches mangelfrei sei und ein Abriss nicht notwendig gewesen w├Ąre.

Der Bauherr erwiderte, dass die Bewehrung der Bodenplatte unzul├Ąssig ist und daher ein Abriss unabdingbar.

Der Architekt wiederum verwies darauf, dass der Mangel der Bodenplatte erstmals w├Ąhrend und nicht zum Zeitpunkt ├╝ber den Abriss bekannt wurde.

Aufgrund dessen bestand der Architekt weiter auf die volle Honorierung seiner Leistungen.

Das Oberlandesgericht Oldenburg verurteilte den Bauherrn zur Zahlung des Architektenhonorars. Der Bauherr legte daraufhin beim Bundesgerichtshof Revision ein.

Entscheidung

Der Bundesgerichtshof gab der Revision des Bauherrn statt.

Diesem steht ein Anspruch auf Schadensersatz aus zwei Aspekten zu.

Die Grundlagenermittlung des Architekten hinsichtlich der falschen Auskunft zur Genehmigungsf├Ąhigkeit mit vollst├Ąndigen und richtigen Informationen begr├╝ndet einen solchen Anspruch zum Schadensersatz gem├Ą├č den ┬ž┬ž 634 Nr. 4, 636, 280 Abs. 1 und 3 in Verbindung mit ┬ž 281 Abs. 1 und 2 BGB (Schadensersatz statt der Leistung aus einem Werkvertrag), indem der Bauherr sich in Folge der falschen Auskunft f├╝r ein anderes Haus, mit erheblicher Abweichung vom urspr├╝nglich Gewollten, entschied.

Das im Architektenvertrag vereinbarte Einfamilienhaus wurde zwar errichtet, auch entsprach es der Ist- und der Sollbeschaffenheit. Es kam allerdings nur zu dieser Beschaffenheitsvereinbarung, da der beklagte Architekt seine Pflichten verletzte. Denn nur auf Grund der fehlerhaften Beratung kam es zu der Beschaffenheitsvereinbarung.

Dar├╝ber hinaus ist auch ein Schadensersatzanspruch aus der fehlerhaften Bau├╝berwachung zu begr├╝nden.

Da sich nachtr├Ąglich eine mangelhafte Gr├╝ndung des Hauses (Bodenplatte) herausstellte, war ein Abbruch unausweichlich. Die Kausalit├Ąt zwischen einem ├ťberwachungsfehler des Baus, der einen erheblichen Mangel zur Folge hat und dem Schaden ist objektiv zu beurteilen. Sind Beseitigungsma├čnahmen diesbez├╝glich objektiv erforderlich, so kommt es nicht auf den Zeitpunkt an, an dem der Mangel festgestellt wurde.

Fazit

Die Leistung eines Architekten ist dann in seiner Gesamtheit zur├╝ckzuweisen, wenn diese f├╝r den Bauherrn unbrauchbar ist. Dar├╝ber hinaus sind die anfallenden Abrisskosten als Schaden ersatzf├Ąhig.